Daniel Blake

von yoktomedia.eu

23 Jahre Prypiat, die Tschernobyl-Katastrophe

Einleitung

1970 wurde mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl begonnen. Zeitgleich wurde in einer Entfernung von nur vier Kilometern auch am Fluss Prypiat die gleichnamige Stadt gegründet. 1986 wohnten in dem schnell wachsenden sowjetischen Städtchen knapp 48000 Menschen. Am 26. April 1986 kam es zu der Katastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl, welche dafür sorgte, dass das Areal in und um Prypiat bis heute radioaktiv verseucht ist und Prypiat weiter als Geisterstadt gilt. 2009, 23 Jahre danach, wollen wir kurz über die damaligen Ereignisse berichten und wie es heute in Prypiat aussieht.

25. April 1986

An diesem Tag sollte ein Test im Kernkraftwerk durchgeführt werden. Ziel war es, die Notstromversorgung von Block 4 des Kernkraftwerks zu testen. Hierzu wurde die Leistung des Blocks verringert – diese sollte von 3200 auf 1000 MW reduziert werden. Am 25. April schien alles zunächst wie geplant zu verlaufen.

26. April 1986 - der Tag der Katastrophe

Als um 00:00 Uhr eine neue Schichtmannschaft den Versuch fortführte, konnte wohl keiner der Anwesenden erahnen, was nur wenig später passieren sollte. Entgegen ursprünglicher Planungen wurde um 00:28 Uhr die Reaktorleistung auf nur 1% (30 MW) verringert – entweder durch einen technischen Defekt oder Bedienfehler. Wie bei jeder Leistungsabsenkung gab es eine erhöhte Xenon-135-Belastung im Reaktorkern. Diese verhinderte das Wiederhochfahren des Reaktors, welches bei 200 MW (7% Leistung) stoppte. Hierzu wurden viele Steuerstäbe entfernt. Kurz danach wurde eine manuelle Kühlung des Kerns eingeschaltet. Hierdurch sind automatisch weiter Steuerstäbe aus dem Kern gezogen worden, die die Steuerung weiter erschwerten. Um 01:23:04 Uhr begann der eigentliche Test. Hierzu schloss man die Turbinenschnellschlussventile, wodurch die Wärmeabfuhr aus dem Reaktorkern unterbrochen wurde. Die Temperatur des Kühlmittels stieg so weiter an und Dampfblasen bildeten sich. Das hatte zur Folge, dass die Steuerstäbe folgerichtig wieder in den Kern eingefahren wurden – allerdings viel zu langsam. Die Leistung konnte nicht stabilisiert werden und die Reaktorleistung stieg, mehr Dampfblasen wurden gebildet, die auch wieder die Leistung erhöhten. Eine Kettenreaktion. Um 01:23:40 Uhr löste der Schichtleiter eine manuelle Notabschaltung des Reaktors aus. Dabei wurden alle Steuerstäbe gleichzeitig in den Kern eingefahren. Diese hatten jedoch Graphitspitzen, die die Reaktivität kurzzeitig erhöhten. So fand nun eine selbstständige, unkontrollierbare Kettenreaktion mit prompten Neutronen statt. In Sekundenbruchteilen wurde die Leistung um das Hunterfache überschritten. Die hierbei entstehende Hitze verformte die Kanäle der Steuerstäbe, ließ Druckröhren reissen und das Zirconium der Brennstäbe sowie Graphit mit Wasser reagieren. Dieses Gasgemisch sammelte sich unter dem Reaktorgebäudedeckel und explodierte vermutlich Sekunden nach der eigentlichen radioaktiven Explosion. Die Decke des Reaktorgebäudes wurde hierbei auch zerstört, wodurch der Reaktorkern direkte Verbindung mit der Atmosphäre hatte. Der glühende Graphit fing sofort Feuer. Die extrem hohen Temperaturen trugen die radioaktive Materie in große Höhen. Gegen 5:00 Uhr war Block 3 abgeschaltet und die Brände außerhalb des Reaktors gelöscht.

27. April 1986 und danach

Die Blöcke 1 und 2 wurden abgeschaltet und Dolomit, Sand, Blei und Bor schüttete man auf den Reaktor von Block 4.  Erst am 6. Mai 1986 war die Freisetzung der Spaltprodukte weitgehend unterbunden.

Prypiat

Prypiat wurde erst 36 Stunden nach dem Reaktorunfall evakuiert. Die Menschen dort ließen alles zurück, weil man ihnen sagte, die Evakuierung sei nur vorübergehend und sie kämen bald zurück. Am 1. Mai 1986 sollten in Prypiat, das als vorbildliche und fortschrittliche sowjetische Kleinstadt galt, Feierlichkeiten auf einem Rummelplatz stattfinden. Das damals dort bereits stehende Riesenrad und ein Autoscooter stehen bis heute dort und gelten als eines der vielen eindeutigen Erkennungszeichen der Stadt.

In der Nähe Prypiats wurde ein Schrottplatz mit Fahrzeugen und Hubschraubern, die damals bei Rettungsmaßnahmen und Löscharbeiten eingesetzt wurden, eingerichtet. Dieser ist aber im Rahmen der Dekontamination weitgehend entfernt. Heutzutage kann Prypiat im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Straße dorthin und das Stadtgebiet gelten als halbwegs sicher, die Waldgebiete und alles außerhalb der Hauptstraßen ist aber nach wie vor stark verseucht (z. B. der Rote Wald). Im Oktober 1988 zogen die ersten Menschen in Häuser der 1986 neu gegründeten Stadt Slawutytsch, die als Ersatz für Prypiat errichtet wurde. Obwohl 30 Kilometer um den Tschernobyl-Reaktor eine Sperrzone ist und diese auch durch Miliz bewacht wird, sind fast alle Gebäude Prypiats geplündert. Annährend der gesamte Bestand, der 1986 zurückgelassenen Gebäude wurde entfernt; Fenster und Türen wurden eingeschlagen. Selbst auf dem inzwischen entfernten Schrottplatz wurden Diebstähle von Teilen aller Fahrzeuge und sogar ganzer Helikopter gemeldet, obwohl hier eine Einzäunung und ein eigener Sicherheitsdienst vorhanden war und die Teile der Fahrzeuge und Helikopter noch stark radioaktov verseucht waren. Das gesamte Areal gilt bis heute als unbewohnbar und wird es auch lange bleiben.

Der Reaktor heute

Nach den Aufräumarbeiten 1986/1987 fuhr man Block 1 bis 3 wieder hoch. Erst 1991 wurde Block 2 abgeschaltet – nach einem Feuer in der Turbinenhalle, Block 1 folgte 1996, Block 3 erst 2000. Der havarierte Block 4 ist heute durch einen provisorischen Sarkophag abgedeckt, der aber an vielen Stellen schon Risse hat und durchlässig ist. Im Inneren befinden sich noch knapp 170 Tonnen Reaktorkernmasse, die immer noch aktiv ist und glüht. Zum Teil ist diese erstarrt, zum Teil im Reaktorsumpf. Seit 2007 arbeitet man an einem neuen Sarkophag, der neben dem Block 4 gebaut wird. Er soll dann über Schienen über den alten Sarkophag geschoben werden – den alten will man danach entfernen.

 

Fazit

23 Jahre danach ist wie 23 Jahre davor. Prypiat wird noch Jahrzehnte, wahrscheinlich Jahrhunderte unbewohnbar und verseucht bleiben. Wie man international weiter mit Block 4 verfahren wird, zeigt sich in den nächsten Jahren. Fest steht, die Tschernobyl-Katastrophe bleibt eins der schlimmsten Beispiele, die beim Verwenden von radioaktiven Elementen auftreten können - der Super-GAU.

26. April 2009 Verfasst von Blake | 2009, History | , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Social Engineering: Gefahr gestern, heute und leider auch noch morgen

Einleitung

Am 24. September des vergangenen Jahres berichteten wir über das Problem mit dem Social Engineering (siehe „Das Problem mit Social Engineering und dem schnell erdachten Passwort“). Nach einem halben Jahr widmen wir uns nun nochmal der Thematik, vor allem, weil das Sicherheitsbewusstsein immer noch nicht vorhanden zu sein scheint.

Herumliegende Handys, Passwörter und TAN-Listen unter der Tastatur…

Beispiel 1:

Als Benutzer der Bahn kommt man ja mit vielen Menschen in Berührung, so auch Ende Februar 2009. Dort im InterCity bestand die Möglichkeit mindestens 10 Minuten lang auf ein einfach daliegendes HTC Touch HD (nagelneu) zuzugreifen. -> 10 Minuten reichen für einen erfahrenen Angreifer, sämtliche Kontakte, SMS usw. des Geräts zu kopieren! Auf Basis dieser Daten hat man natürlich einen guten Ausgangspunkt für weitere Angriffe und Eingriffe in das Leben des Opfers.

Beispiel 2:

Da geht man unbedarft zu einer Bekannten und findet unter ihrer Tastatur ordentlich mittig gefaltet die aktuelle TAN-Liste des Geldinstituts sowie ein Zettelchen mit allen Passwörtern und Accounts. Da fragt man sich schon, was bewegt eine Person so ein Gott-Vertrauen zu haben? Der nette Heizungsmonteur, der eben mal die Heizkörper entlüften geht; der Elektriker oder irgendeine andere Person hätte diese Daten so sofort vorliegen. Schnell ein Handgriff zum naheliegenden Notizblock und Kugelschreiber liegt auch schon bereit und jeder Account ist auch seiner.

Fragen dahinter

Wo ist hier das Sicherheitsbewusstsein der Personen geblieben? Nirgends?

Social Network sei Dank: Ich weiß alles über dich, du kennst mich nicht

Man lernt eine Person in einem Forum kennen und bekommt ihre E-Mail-Adresse. Bis hierhin ein ganz normaler wie vielfach vorhandener Ablauf. Die Wahrscheinlichkeit auch den richtigen Namen der Person zu kennen (was hier der Fall war), machte es uns mal wieder möglich in den Zeiträumen Februar/März 2009 mehrfach komplette Profile von uns vorher unbekannten Personen zu erstellen. In drei Fällen war dies sogar nur mit der Kenntnis des Vornamens und der ersten Ziffer der PLZ der Zielperson möglich – und das waren nur Stichproben. Dies zeigt, wie doch immer mehr Menschen einfach ihre persönlichen Daten gedankenlos in das Internet stellen.

Schnell erdachtes Passwort – Teil 1000

Wie im September-Artikel berichtet, gibt es das berühmte schnell erdachte Passwort und das leider immer noch. Wir konnten auf fünf Accounts (drei bei Yahoo-, ein Web.de- und ein Hotmail.com-Account) zugreifen, allein durch Datensammlung aus den Social Network-Profilen dieser Personen. Eine Person hat sogar überall das gleiche Passwort verwendet, wodurch auch Zugriff auf ICQ, Uni-Zugang und diverse andere Accounts möglich war – Sicherheitsbewusstsein Null. Toll ebenfalls, dass die drei Personen mit dem Yahoo-Account je knapp 300-500 Mails gespeichert halten.

Aktuelles Beispiel:

Wieder mit der Bahn unterwegs stieg in Sachsen-Anhalt jemand zu, der dann im InterCity stolz sein Notebook knapp ein Meter vor uns entpackte. Schnell über O2 ins Internet und ab geht die Post. Bloß ungünstig, wenn man dabei fünfmal sein Passwort eingeben muss und dies nur aus zwei abwechselnd gedrückten Buchstaben nach dem Muster „tktktktktktk“ besteht. Einfach nur witzlos.

 Nochmals die Sicherheitstipps:

Zunächst einmal sollten Sie ganz genau darauf achten, wo Sie wie viele Daten über sich preisgeben. Manchmal ist dies gar nicht notwendig oder sehr unbewusst. Nur mal angenommen, Sie haben auf irgendeiner Internetseite ein Profil mit Gästebuch. Dort schreibt jemand etwas zu Ihrem süßen, kleinen Hund “Zubi”. “Und?”, werden Sie eventuell denken. Wird aber bei der “Passwort wiederherstellen”-Befragung nach dem Namen Ihres Haustieres gefragt, müssten Sie nun erkennen, was daran problematisch ist.

  • Legen Sie sich eine Passwortdatei an. Dazu reicht eine simple Textdatei. Schreiben Sie dort die Webseite, zu der das Passwort gehört und das Passwort auf. Wählen Sie niemals zweimal das gleiche Passwort! Wer den einen Account hackt, kommt dann auch in alle anderen und übernimmt so Ihre komplette Online-Identität. Im Idealfall ändern Sie Ihre Passwörter regelmäßig.
  • Verwenden Sie sichere Passwörter mit einer Kombination aus Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben und Sonderzeichen. Niemals Wörter oder “nur Zahlen”-Kennwörter benutzen!
  • Nutzen Sie die Maximallänge des Passwortes, soweit die Webseite eine vorgibt. 20-30 Zeichen sind ausreichend. Weniger 10 ist sicherheitstechnisch stark bedenklich!
  • Löschen Sie alte Accounts, denn diese müllen das Internet zu und sorgen nur für unnötige Risiken.

Fazit

Nach dieser aktuellen Analyse des Sicherheitsbewusstseins in der Bevölkerung (und dies war nur ein kleiner Ausschnitt) ist doch nach wie vor ein fehlendes Verständnis für erforderliche Sicherheit im Umgang mit persönlichen Daten zu verzeichnen. Meistens schrecken die betroffenen Personen erst auf, wenn irgendetwas passiert – vorausgesetzt, sie bemerken es überhaupt und dann ist es aber meist zu spät. Wir werden weiter diese Thematik im Auge behalten und dementsprechend wieder berichten.

 

13. April 2009 Verfasst von Blake | 2009, Electronics, IT Security | , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Technik: ASUS eeePC 1000H

Einleitung

Netbooks gibt inzwischen von fast jedem namhaften Hersteller, doch der Name eeePC scheint in der Branche überall bekannt. Wir haben mal den 1000H getestet, eins der aktuellen Spitzenmodelle von ASUS.

Ausstattung und Funktionen

Das 10 Zoll große Netbook (Auflösung: 1024×600) verfügt über einen Intel Atom Prozessor mit 1,6 GHz und einen integrierten Intel-Grafikchipsatz (128MB Speicher). Des Weiteren sind 1GB DDR2-RAM enthalten (bis 2GB aufrüstbar) und eine 160GB Festplatte. Vorinstalliert ist Windows XP mit unserer Meinung nach einigen unnützen Programmen. Weiterhin vorhanden ist WLAN, Bluetooth, ein SD-Kartenleser, eine 1,3 Megapixel Webcam und natürlich die üblichen Dinge wie Lautsprecher, USB-Anschlüsse (3x) usw. Der 1000H scheint von der äußeren Verarbeitung besser und stabiler als zum Beispiel der Aspire One von Acer. Vorbildlicherweise lassen sich diesmal auch einfache Spiele auf dem Netbook spielen, der große unter den kleinen steht seinen großen PC-Brüdern da in nichts nach – außer natürlich die Hardware-seitige Begrenzung seiner Leistung. Absolut vorbildlich ist die lange Akkulaufzeit (6600 mAh) dank ASUS Super Hybrid Engine. Mit einem vollgeladenen Akku gestartet hatten wir nach 2,5 Stunden Film gucken noch 50% Kapazität, der Akku reicht in der Regel 4-5 Stunden bei einfachen Aufgaben und 7,5 Stunden im Leerlauf.

Fazit

Sollte man sich ein Netbook anschaffen wollen, so ist dieses sehr empfehlenswert. Zahlreiche andere Hersteller bieten zwar annährend identische Geräte an, doch Benchmarks von unabhängigen Testern und auch unser Test haben bewiesen, dass die Qualität der eeePCs bisher nicht erreicht wird.

13. April 2009 Verfasst von Blake | 2009, Electronics, Hardware, Technology | , , , , | Noch keine Kommentare